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29.03.2025, Lokalredaktion
Das Schiffahrtsmuseum Unterweser hat in der letzten Woche eine friesische Meerweibchenuhr (Seewiefke) oder auch Stuhluhr, hergestellt zwischen 1710 und 1720, als Schenkung erhalten. Dietrich Diederichs-Gottschalk, der bereits im letzten Jahr dem Schifffahrtsmuseum 96 sehr seltene friesische Fliesen überlassen hat, brachte die 300 Jahre alte Uhr mit, die jetzt das Friesenzimmer des Schifffahrtsmuseums ziert. Und sie funktioniert nach so vielen Jahren immer noch einwandfrei.

In mühevoller Kleinarbeit hat Dietrich Diederichs-Gottschalk die Uhr ein halbes Jahr lang liebevoll restauriert. „Ich habe mich nach und nach schon von einigen Dingen, die meine Frau und ich gemeinsam gesammelt haben, getrennt“, sagt der 74-Jährige und freut sich, dass diese Uhr jetzt ihren Platz im Schifffahrtsmuseum hat.
Erst Jahre später, nachdem er die Uhr erworben hatte, bemerkte er, dass diese die Initialen seiner Frau Felicitas und ihm trägt. Die Wandkonsole und Baldachin der Uhr bestehen aus Eichenholz gefertigt und hat eine kostbare Farbgebung. Das Dach ist Karton. Das Motiv besteht aus zwei Frauengestalten, die einen Korb mit Gold halten. Im Hintergrund ist ein Dorf mit Türmen zu sehen. Dies ist eine typische Seefahrer-Dekoration der damaligen Zeit. Das Bild ist mit Ölfarbe auf Kreidegrund gefertigt und anschließend wurde die Uhr noch vergoldet.
Das Uhrwerk war beim Kauf komplett erhalten. Ferner hat die Uhr nur ein Zifferblatt, das typisch für die Bauweise der damaligen Uhren war. Erst im 18. Jahrhundert wurden Minutenzeiger gefertigt. Grund dafür war die fortschreitende Industrialisierung und dass die Menschen damals rechtzeitig ihre Zugverbindungen erreichen konnten.

Wenn eine solche Uhr heute einen Minutenzeiger hat, wurde dieser nachträglich in das Uhrwerk eingefügt. Diese Uhren konnte man nicht auf dem Markt erwerben. sie waren in der Regel Auftragsarbeiten. Jeder Uhrmacher hatte seine speziellen Modelle, die er fertigte und auch signierte. Diese Meerjungfrauenuhr trägt die Signatur von Baltus Jans.
Der Antrieb funktioniert mit einem Spindelrad. Die Bronzeglocke hat einen sehr hellen, metallischen Klang. Kein einziger Zahn aus den Zahnrädern war herausgebrochen. Auch die vier Ballusterfüße sind komplett erhalten. Rechts und links ziert jeweils eine weibliche Sirene, die an die Gallionsfiguren der Schiffe aus dieser Zeit erinnert, die Uhr. Der Preis ist nicht feststellbar orientiert sich jedoch nach der Nachfrage.
Besonders im friesischen Bereich waren diese Uhren verbreitet. Sie fanden ihren Platz in Kapitänsstuben oder in repräsentativen Räumlichkeiten großer Bauernhäuser.
„Uns geht es nicht um den Preis,“ betont Museumsleiterin Dr. Christine Keitsch, „sondern um den Erhalt des Kulturguts.“ (Fotos und Text: Kerstin Seeland)